Marcel Cornelius Fotografie

KI und Fotografie – passt das überhaupt zusammen?

KI und Fotografie. Kaum ein Thema wird derzeit so kontrovers diskutiert. Die einen sehen darin das Ende eines Berufsstandes, die anderen das nächste Werkzeug in der kreativen Werkzeugkiste. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

 

Wenn man ehrlich ist, kann einem als Fotograf schon einmal mulmig werden. Die technischen Möglichkeiten sind beeindruckend. Du brauchst abends um acht spontan ein Bewerbungsfoto? Kein Problem. Zwei oder drei Bilder hochladen, ein paar Zeilen schreiben und wenige Sekunden später liegt ein Ergebnis vor, für das früher ein Termin, ein Studio und etwas Planung nötig gewesen wären.

 

Du baust eine Website und suchst ein passendes Bild für den Header? Früher hätte man selbst fotografiert oder stundenlang Bilddatenbanken durchforstet. Heute genügt oft ein Prompt.

Und natürlich gibt es inzwischen auch die besonders ambitionierten Anfragen:

„Hier ist ein Selfie von uns. Bitte ersetze einen Hochzeitsfotografen, einen Bildbearbeiter, einen Wettergott, einen Eventplaner, einen Drohnenpiloten und fünfzehn Jahre Berufserfahrung. Die fertige Hochzeitsreportage hätte ich gern bis morgen.“

 

An dieser Stelle wird es interessant.

 

Nicht, weil KI das alles tatsächlich leisten kann oder nicht kann. Sondern weil die Frage dahinter eine andere ist.

Was genau wollen wir eigentlich festhalten?

 

Ein perfektes Bild? Oder einen echten Moment?

 

Denn je einfacher künstlich erzeugte Bilder werden, desto wertvoller wird möglicherweise das, was sich nicht künstlich erzeugen lässt. Die Gewissheit, dass ein Bild tatsächlich entstanden ist. Dass die Person darauf wirklich dort stand. Dass das Lachen nicht generiert, sondern passiert ist.

 

Ist das Bewerbungsfoto noch ein Porträt von dir, wenn Gesicht, Licht, Kleidung und Hintergrund von einer KI zusammengesetzt wurden? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

 

Möchte ich Kinderfotos erzeugen lassen, die aussehen wie Erinnerungen? Oder möchte ich Erinnerungen festhalten, während sie entstehen?

 

Für mich liegt genau dort die Grenze.

 

Das bedeutet nicht, dass KI der Gegner der Fotografie ist. Im Gegenteil. Auch ich nutze sie regelmäßig. Wenn es um die Planung eines Shootings geht, können innerhalb weniger Minuten Ideen visualisiert werden. Aus einem Gedanken entsteht ein Moodboard, aus einem Moodboard eine Richtung. Was früher deutlich mehr Zeit gekostet hat, ist heute oft erstaunlich schnell erledigt.

 

Auch die Bildbearbeitung hat sich verändert. Viele Aufgaben, die früher Handarbeit waren, erledigt Software inzwischen beinahe nebenbei. Dinge freistellen, Objekte entfernen, Hintergründe erweitern. Vieles funktioniert schneller als je zuvor.

Und manchmal eben auch nicht.

 

Jeder, der regelmäßig mit KI arbeitet, kennt den Moment, in dem man zum dritten Mal denselben Prompt umformuliert und sich dabei ertappt, wie man denkt: „Das hätte ich in Photoshop längst erledigt.“

Auch das gehört zur Wahrheit.

 

KI ist weder Wundermaschine noch Bedrohung. Sie ist ein Werkzeug. Ein sehr mächtiges Werkzeug, das vieles verändern wird. Nicht nur in der Fotografie.

 

Wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wie man es einsetzt.

 

Wer versucht, menschliche Erfahrung vollständig zu ersetzen, wird früher oder später an Grenzen stoßen. Wer dagegen die eigenen Fähigkeiten mit den Möglichkeiten der KI kombiniert, gewinnt oft genau das, was heute am wertvollsten geworden ist: Zeit.

 

Zeit für die Dinge, die Maschinen nicht übernehmen können.

 

Für Gespräche. Für Ideen. Für Kreativität. Für Begegnungen.

 

Und vielleicht auch für das eine Bild, das nicht perfekt ist, aber trotzdem mehr erzählt als tausend perfekt generierte Varianten.

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