Fotograf bei einem Business-Shooting im Studio mit Kundin

KI und Fotografie – passt das überhaupt zusammen?

Künstliche Intelligenz und Fotografie. Kaum ein Thema wird derzeit so kontrovers diskutiert. Die einen sehen in KI-generierten Bildern das Ende eines ganzen Berufsstandes, die anderen das nächste Werkzeug in der kreativen Werkzeugkiste. Vermutlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen.

Die technischen Möglichkeiten sind beeindruckend. Und wenn man ehrlich ist, kann einem als Fotograf schon einmal mulmig werden.

Was kann KI in der Fotografie heute schon?

Ein Bewerbungsfoto wird gebraucht, am besten noch heute Abend? Zwei oder drei Bilder hochladen, ein paar Zeilen schreiben und wenige Sekunden später liegt ein Ergebnis vor, für das früher ein Termin, ein Studio und etwas Planung nötig gewesen wären.

Auch bei einer Website hat sich vieles verändert. Statt selbst zu fotografieren oder lange nach einem passenden Motiv in einer Bilddatenbank zu suchen, genügt heute oft ein Prompt. Schon entsteht ein KI-generiertes Bild, das genau zur gewünschten Idee passen soll.

Und natürlich gibt es inzwischen auch die besonders ambitionierten Anfragen:

„Hier ist ein Selfie von uns. Bitte ersetze einen Hochzeitsfotografen, einen Bildbearbeiter, einen Wettergott, einen Eventplaner, einen Drohnenpiloten und fünfzehn Jahre Berufserfahrung. Die fertige Hochzeitsreportage hätte ich gern bis morgen.“

An dieser Stelle wird es interessant.

Was ist ein echtes Foto überhaupt noch wert?

Nicht, weil KI das alles tatsächlich leisten kann oder nicht kann. Die Frage dahinter ist für mich eine andere:

Was genau wollen wir eigentlich festhalten?

Ein perfektes Bild? Oder einen echten Moment?

Denn je einfacher es wird, künstliche Bilder mit KI zu erzeugen, desto wertvoller wird möglicherweise das, was sich nicht künstlich erzeugen lässt.

Die Gewissheit, dass ein Bild tatsächlich entstanden ist. Dass die Person darauf wirklich dort stand. Dass das Licht tatsächlich so war. Dass das Lachen nicht generiert, sondern passiert ist.

Genau darin liegt für mich der entscheidende Unterschied zwischen einem KI-Bild und einem fotografierten Moment.

KI-generierte Bilder oder echte Fotografie?

Ist ein Bewerbungsfoto noch ein Porträt von dir, wenn Gesicht, Licht, Kleidung und Hintergrund von einer KI zusammengesetzt wurden?

Vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht.

Technisch kann ein solches Bild beeindruckend aussehen. Ein professionelles Bewerbungsfoto soll aber nicht nur gut aussehen. Es soll dich zeigen.

Genau deshalb entstehen professionelle Bewerbungsbilder in Gießen bei mir nicht einfach am Rechner. Persönlichkeit, Ausdruck und die Situation vor der Kamera gehören genauso zum Bild wie Licht und Technik.

Dasselbe gilt für private Erinnerungen.

Möchte ich Kinderfotos erzeugen lassen, die aussehen wie Erinnerungen?

Oder möchte ich Erinnerungen festhalten, während sie entstehen?

Für mich liegt genau dort die Grenze.

KI als Werkzeug in der Fotografie

Das bedeutet nicht, dass KI der Gegner der Fotografie ist. Im Gegenteil. Auch ich nutze künstliche Intelligenz in meiner fotografischen Arbeit regelmäßig.

Bei der Planung eines Shootings lassen sich innerhalb weniger Minuten Ideen visualisieren. Aus einem Gedanken entsteht ein Moodboard, aus dem Moodboard eine Richtung. Was früher deutlich mehr Zeit gekostet hat, ist heute oft erstaunlich schnell erledigt.

KI in der Bildbearbeitung

Auch die Bildbearbeitung mit KI hat sich verändert. Viele Aufgaben, die früher reine Handarbeit waren, erledigt Software inzwischen beinahe nebenbei.

Objekte entfernen. Hintergründe erweitern. Bilder freistellen. Störende Elemente beseitigen.

Vieles funktioniert schneller als je zuvor.

Und manchmal eben auch nicht.

Wenn KI doch nicht schneller ist

Wer regelmäßig mit KI arbeitet, kennt den Moment, in dem man zum dritten Mal denselben Prompt umformuliert und sich dabei ertappt, wie man denkt:

„Das hätte ich in Photoshop längst erledigt.“

Auch das gehört zur Wahrheit.

KI ist weder Wundermaschine noch Bedrohung. Sie ist ein Werkzeug. Ein sehr mächtiges Werkzeug, das vieles verändern wird. Nicht nur in der Fotografie.

Wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, wie man es einsetzt.

Wird KI die Fotografie ersetzen?

Ich glaube nicht, dass KI die Fotografie vollständig ersetzen wird.

Bestimmte Bereiche werden sich verändern. Manche Aufgaben werden einfacher, schneller oder günstiger. Andere werden vielleicht sogar verschwinden.

Doch ein Fotograf liefert mehr als Pixel.

Er bringt Erfahrung mit. Ein Gefühl für Licht. Kommunikation. Menschenkenntnis. Timing. Die Fähigkeit, eine Situation einzuschätzen und daraus ein Bild entstehen zu lassen.

Vor allem aber entsteht bei einem echten Shooting etwas, das ein Prompt nicht erzeugen kann: eine reale Begegnung zwischen Menschen.

Wer versucht, menschliche Erfahrung vollständig zu ersetzen, wird früher oder später an Grenzen stoßen. Wer dagegen die eigenen Fähigkeiten mit den Möglichkeiten der KI kombiniert, gewinnt oft genau das, was heute am wertvollsten geworden ist:

Zeit.

Zeit für die Dinge, die Maschinen nicht übernehmen können.

Für Gespräche. Für Ideen. Für Kreativität. Für Begegnungen.

Und vielleicht auch für das eine Bild, das nicht perfekt ist, aber trotzdem mehr erzählt als tausend perfekt generierte Varianten.

Noch Fragen zu echten Fotoshootings?

Wie ein Shooting abläuft, wo die Aufnahmen stattfinden oder was du vor einem Termin beachten solltest, habe ich in den häufigen Fragen rund um meine Fotoshootings zusammengefasst.

Und wenn du lieber echte Menschen vor der Kamera als KI-generierte Portraits möchtest, findest du mehr über meine Bewerbungsbilder in Gießen auf der entsprechenden Seite.

2 Kommentare zu „KI und Fotografie – passt das überhaupt zusammen?“

  1. Lieber Marcel,

    Ich brauche Visualisierungen und Bilder für eine neue Homepage von perspect.
    Vielleicht kann uns dabei auch KI helfen ;-).

    Viele liebe Grüße und ein schönes Wochenende!!
    Ruth

  2. Hallo Marcel,

    ein sehr interessenter Gedanke, den du hier geschrieben hast. Ich sehe es ähnlich wie du. Ich benutze zwar keine KI, weil berufsbedingt, ich nicht viel davon halte und für mich der Nachteil größer als der Vorteil ist.

    Aber im Prinzip hast du recht. KI ist ein Werkzeug, welches gelernt werden muß, es richtig einsetzen zu können.

    Früher hat man sich stundenlang mit Bildbearbeitung befasst. Heute KI -> zack fertig.
    Spart Zeit und Nerven. Aber fehlt dann nicht etwas? War es nicht immer ein Teil der Fotografie, sich Nächte um die Ohren zuschlagen?

    Und gibt KI nicht eine falsche und nicht existierende „Realität“ raus? Siehe manche Instabilder etc. Ich denke, es wird mit der Zeit immer schwerer, echte Bilder von KI Bildern zu unterscheiden. Sicher, meistens muß man mittlerweile KI angeben. Aber wo kein Kläger, da kein Richter.

    Ich sehe es gerade in der Tattooszene. Früher wurden die Stencils mit Hand gezeichnet. Viele Termine bevor es wirklich unter die Haut ging. Heute ist ein Stencil in 15min, dank KI, fertig. Preis ist gleich oder höher. Für weniger Aufwand.

    Viel BlaBla, kurzer Sinn:
    KI kann helfen aber ich denke, es macht mir der Zeit dumm und faul. Sieht man ja jetzt schon auf der Straße.

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